Wie aus einem leeren Blatt Papier eine eigene Mythologie entsteht
By admin / August 9, 2026 / Keine Kommentare / Schreiben & Worldbuilding
Wie aus einem leeren Blatt Papier eine eigene Mythologie entsteht

Wenn mich jemand fragt, womit ich bei der Entwicklung einer Fantasywelt beginne, lautet die Antwort überraschenderweise nicht mit einer Landkarte oder einer Zeitleiste. Am Anfang steht immer eine einzige Frage: Warum existiert diese Welt überhaupt?
Für mich entsteht eine glaubwürdige Mythologie nicht dadurch, dass man möglichst viele Götter, Legenden oder uralte Geschichten erfindet. Sie entsteht, wenn alles miteinander verbunden ist und jede Geschichte einen Ursprung hat.
Als ich mit Seizouh begann, wusste ich schnell, dass ich keine Welt erschaffen wollte, die sich wie eine Kopie bereits existierender Fantasywelten anfühlt. Ich wollte Zusammenhänge entwickeln, die ihren eigenen Regeln folgen. Warum existieren bestimmte Kräfte? Woher stammen sie? Weshalb glauben Menschen an bestimmte Überlieferungen? Und was davon ist überhaupt wahr?
Genau diese Fragen begleiten mich. Bevor ich eine neue Idee übernehme, frage ich mich immer zuerst, ob sie wirklich in diese Welt passt. Wenn sie nur gut aussieht, aber keinen nachvollziehbaren Ursprung besitzt, gehört sie für mich nicht in die Geschichte.
Mit der Zeit entstand aus einzelnen Gedanken ein immer größeres Geflecht aus Geschichte, Überlieferungen und Zusammenhängen. Vieles davon wird im ersten Band noch gar nicht erwähnt. Trotzdem existiert es bereits, weil ich wissen möchte, welche Vergangenheit diese Welt geprägt hat und warum ihre Bewohner so handeln, wie sie handeln.
Ich finde es spannend, wenn Leser nach und nach erkennen, dass hinter scheinbar kleinen Ereignissen etwas viel Größeres steckt. Manche Antworten liegen direkt vor ihnen, andere werden erst viele Bücher später verständlich. Genau dieses Gefühl, Stück für Stück immer tiefer in eine Welt einzutauchen, liebe ich selbst an großen Fantasygeschichten.
Für mich ist Mythologie deshalb kein schmückendes Beiwerk. Sie bildet das Fundament, auf dem alles andere aufbaut. Jede Kultur, jede Legende, jede Überlieferung und jede Entscheidung der Figuren ist Teil eines größeren Ganzen.
Vielleicht wird nie jede einzelne Geschichte erzählt. Aber allein zu wissen, dass sie existiert, macht eine Welt für mich lebendig. Genau das versuche ich mit Seizouh zu erreichen. Eine Welt zu erschaffen, die sich anfühlt, als hätte sie schon lange existiert, bevor der erste Satz des ersten Buches geschrieben wurde.