Wie ich eine Fantasywelt entwickle

Wenn mich jemand fragt, woher die Welt von Seizouh kommt, lautet meine Antwort meistens: Sie ist nicht an einem einzigen Tag entstanden. Eine glaubwürdige Fantasywelt entwickelt sich nicht durch Zufall, sondern wächst mit jeder Idee, jeder Figur und jeder Entscheidung.
Bevor ich überhaupt die erste Seite geschrieben habe, stand für mich nicht die Handlung im Mittelpunkt, sondern die Welt selbst. Ich wollte verstehen, wie sie funktioniert. Welche Regeln gelten dort? Welche Kulturen leben in ihr? Welche Geschichte liegt hinter den Konflikten? Welche Rolle spielen Runen, Chi und die Gefallenen? Erst als ich diese Fragen beantworten konnte, begann die eigentliche Geschichte.
Dabei versuche ich, jede neue Idee logisch in das bestehende Universum einzufügen. Jede Figur hat eine Vergangenheit, jede Kultur ihre eigenen Werte und jede Entscheidung soll Konsequenzen haben. Für mich wirkt eine Fantasywelt nur dann lebendig, wenn sie auch ohne den Hauptcharakter glaubwürdig existieren könnte.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Planung. Obwohl viele Ideen spontan entstehen, arbeite ich mit einer langfristigen Vision. Ich denke nicht nur an den aktuellen Band, sondern an die Entwicklung der gesamten Saga. Ereignisse, die heute noch unbedeutend erscheinen, können viele Bücher später eine zentrale Rolle spielen. Dadurch entsteht ein Netz aus Zusammenhängen, das sich Stück für Stück entfaltet.
Gleichzeitig lasse ich der Welt genügend Raum, sich weiterzuentwickeln. Während des Schreibens entstehen neue Orte, Figuren oder Geschichten, die ursprünglich gar nicht geplant waren. Manche davon
verändern sogar den weiteren Verlauf der Reihe. Genau das macht den kreativen Prozess für mich so spannend.
Auch meine Erfahrungen aus der Musik und dem Comicbereich beeinflussen mein Schreiben. Ich denke viele Szenen zuerst wie einen Film od
er ein Storyboard. Atmosphäre, Rhythmus und Bildsprache spielen deshalb eine große Rolle. Oft sehe ich eine Szene bereits vor meinem inneren Auge, bevor ich den ersten Satz schreibe.
Für mich bedeutet Worldbuilding deshalb weit mehr als das Erfinden von Orten oder Namen. Es bedeutet, eine Welt zu erschaffen, die ihre eigene Geschichte erzählt, ihre eigenen Gesetze besitzt und den Leser das Gefühl gibt, dass hinter jeder Tür noch ein weiteres Geheimnis wartet.
Mein Ziel ist es nicht nur, eine Geschichte zu erzählen. Ich möchte eine Welt erschaffen, in die man immer wieder zurückkehren möchte.